Chronik des Löschzugs Schermbeck

1893

Anstelle der nachbarschaftlichen Hilfe tritt 1893 die organisierte Freiwillige Feuerwehr Schermbeck. Gründe für die Schaffung einer organisierten Feuerwehr könnten zahlreiche Brände in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und auch die zunehmende Industrialisierung (Dachziegelwerke) in Schermbeck gewesen sein. Anscheinend setzte sich hierdurch die Erkenntnis durch, dass ein optimaler Brandschutz nur durch eine straff organisierte Mannschaft zu leisten wäre. Am 27.4.1893 genehmigt die Stadtverordnetenversammlung, voran Bürgermeister Maassen, die Statuten zur Gründung.

1906

Die Feuerwehr Schermbeck erhält von der Fa. Hönig in Köln-Nippes eine fahrbare Druckfeuerspritze. Sie kostet satte 1.000 Mark, von denen die Feuerversicherung 700 Mark und die Gemeinde Schermbeck 300 Mark übernehmen. 1911 beschließt der Gemeinderat ein separates Spritzenhaus zu errichten. Hierzu kauft sie der katholischen Kirche ein Grundstück am Bleichwall ab.

1918

Mit Beginn des ersten Weltkriegs werden immer mehr aktive Kräfte an die Fronten befohlen. Da nach Ende des Krieges kaum jemand die Begeisterung aufbringt, sich ehrenamtlich für gemeinnützige Zwecke zur Verfügung zu stellen, kommt das freiwillige Feuerschutzwesen in Schermbeck zum Erliegen. Aufrecht erhalten wird der Brandschutz (vermutlich) durch eine Pflichtfeuerwehr, der alle männlichen Einwohner im Alter von 18 bis 60 Jahren beitreten müssen.

1926

Es kommt zur Wiedergründung der Freiwilligen Feuerwehr. „Die Gemeindevertretung ist mit der Bilder einer Freiwilligen Feuerwehr einverstanden und bereit, die Kosten der Uniformierung und Ausrüstung zu tragen“, heißt es in einem Protokoll. Mit Plakaten wird die männliche Bevölkerung zu einer Versammlung in die Wirtschaft Peters eingeladen. 53 Beitrittserklärungen zählt Bürgermeister Maassen erfreut. Der erste Brandmeister der neu gegründeten Freiwilligen Feuerwehr wird Baugewerksmeister Hermann Stricker.

1932 – 1938

1932 wird die Errichtung eines Feuerwehrturms am Bleichwall beschlossen(, der jedoch 1940 einem Sturm zum Opfer fällt). Gleichzeitig erhält die Wehr eine Motorspritze von Magirus. Besonders erwähnenswert aus dieser Zeit sind die mehrfachen Brände in der Möbelfabrik Willing in Altschermbeck, der Großbrand im Dachziegelwerk Nelskamp in Overbeck, der Brand der Stellmacherei Natteforth gegenüber vom alten Friedhof sowie zahlreiche Waldbrände im Dämmer- und Weselerwald. 1937 wird der Wehr ihr erstes Automobil übergeben. Es ist ein vom Direktor der Schermbeck Ton- und Falzziegelwerke geschenkter und umgebauter Mercedes Baujahr 1930. Das Steuern des Wagens, mit Wulstreifen und Holzspeichenrädern, ist bei voller Besatzung eine akrobatische Meisterleistung. Diesem Wagen kann die Motorspritze angehängt werden. Er tut bis 1942 seinen Dienst.

1939 – 1945

Am 1. Mai 1941 muss der bisher größte Waldbrand in der Gemeinde Schermbeck auf dem Mahlberg bekämpft werden. Mehr als 350 Morgen Wald fallen den Flammen zum Opfer. Im Verlauf des zweiten Weltkriegs wird die Schermbecker Wehr vor immer neue und große Herausforderungen gestellt. Ein Bereitschaftsdienst wird eingerichtet, der bei Fliegeralarm mittels Handsirenen die Bevölkerung vor den herannahenden Bombern warnt. Die Zahl der aktiven Kräfte sinkt durch den Kriegseinsatz. So wird eine Jugendfeuerwehr aufgestellt und 1943 um eine Abteilung mit Feuerwehrhelferinnen erweitert. 1942 wird die Schermbecker Wehr mit einem neuen Löschfahrzeug LF 8 und einer neuen Motorspritze ausgerüstet. Ab 1943 übernimmt die Feuerwehr auch den Krankentransport und erhält hierfür erstmals einen Krankenwagen. Im weiteren Verlauf des Krieges und mit zunehmender Bombardierung der Städte weiten sich auch die Einsatzgebiete aus. Aus sechs Wehren des Kreises Rees wird eine Feuerwehrbereitschaft zusammengestellt, deren Einsatzbereich sich fast auf das gesamte Ruhrgebiet erstreckt. Die Einsätze dieser Bereitschaft, die Hermann Stricker leitete, führte die Wehrleute mehrfach und oft tagelang nach Duisburg, Krefeld, Düsseldorf, Essen, Dortmund, Hagen, Elberfeld, Solingen, Remscheid, Barmen Wesel und Emmerich. Am 23. März 1945 wird dann Schermbeck selbst bombardiert, fordert viele Menschenleben, zerstört zahlreiche Gebäude und vernichtet dabei auch die Gerätschaften der Feuerwehr.

1948 – 1952

Die Wehr formiert sich neu. Das Gerätehaus am Bleichwall wird wieder instand gesetzt und dabei auch erweitert. Neue Uniformen bekommen die Schermbecker Feuerwehrleute 1951. 1952 übernimmt Ernst Schulte-Drevenack das Amt des Wehrleiters.

1966

Am 3. Oktober  1966 reißt im Dämmerwald die Rohrleitung der Nord-West-Pipeline. Tausende Liter Rohöl ergießen sich über den Waldboden. Nur mit großer Mühe und nach tagelangem Einsatz kann ein Einlaufen des Öls in die Lippe und somit eine noch größere Naturkatastrophe verhindert werden.

1968

Am 12. Mai 1968 feiert die Feuerwehr Schermbeck ihr 75-jähriges Bestehen. Sie begeht das Jubiläum mit einem Platzkonzert, Schauübungen, einem Festumzug und dem Festball im Saal Overkämping.

1970

Die beengten Platzverhältnisse im Spritzenhaus am Bleichwall lassen keine ordentliche Ausbildung der Feuerwehrleute im Gerätehaus mehr zu. Ein Neubau wird geplant. Dieser nimmt an der Schienebergstege immer mehr Formen an und wird schließlich nach gut einjähriger Bauzeit am 17. Oktober 1970 eingeweiht.

1972

Ein neues Fahrzeug wird in Dienst gestellt. Es handelt sich um ein TLF 16/25 mit 2.500 l Wassertank und Feuerlöschkreiselpumpe. Ausgeliefert wird das Fahrzeug abgesehen von der 5-t-Seilwinde ohne jegliche feuerwehrtechnische Ausstattung. Diese wird in den folgenden zwei Jahren durch Gemeindemittel und private Sponsoren angeschafft.

1975

Durch die kommunale Neuregelung wird aus der bis dahin eigenständigen Feuerwehr Schermbeck der Löschzug Schermbeck, der nun zusammen mit den Gruppen aus Altschermbeck und Gahlen die Freiwillige Feuerwehr der neuen Großgemeinde Schermbeck bildet. OBM Ernst Schulte-Drevenack wird kommissarisch Wehrführer der neuen Wehr. Ein Jahr später wird Egon Borgs von Gemeindedirektor Rösen zum Gemeindebrandmeister ernannt. Ab da übernimmt Brandmeister Hartwig Lohmann die Führung des Löschzugs

1976

Der Kreis Wesel stellt der Gemeinde Schermbeck erstmals einen Rettungswagen zur Verfügung, der im Gerätehaus Schermbeck stationiert wird. Der gemeindeeigene Krankenwagen wird 1977 außer Dienst gestellt.

1981/1982

Das alte LF 8 wird 1981 durch ein modernes LF mit Vorbaupumpe ersetzt. Die Zeiten, in denen das Gerätehaus Schermbeck rund um die Uhr besetzt sein muss, enden. Ab Februar 1982 läuft der Notruf 112 in der Leitstelle der Feuer- und Rettungswache Wesel auf. Von dort können nun die Sirenen der drei Löschzüge ausgelöst werden.

1983

Mit einer Festwoche vom 10.-17. September – gefüllt mit Ausstellungen, Konzerten, Festball, Festumzug, Fußballturnier, einer großen Schauübung im Ortskern und dem Abschluss „Mühlenteich in Flammen“- feiert der Löschzug Schermbeck sein 90-jähriges Bestehen.

1985

Am 29. September 1985 wird die Jugendfeuerwehr Schermbeck aus der Taufe gehoben. 22 Jugendliche, davon viele Söhne aktiver Feuerwehrleute, sind bei der Gründung dabei. Geleitet wird die neue Jugendfeuerwehr von Heinz Hegemann (Altschermbeck), Dieter Overberg (Schermbeck) und Karl-Heinz Kreutzberger (Gahlen).

1987

In diesem Jahr wird ein Einsatzleitwagen (ELW 1) in Dienst gestellt. Zudem werden 10 Funkmeldeempfänger angeschafft und die „stille Alarmierung“ erprobt. Kurz darauf werden auch die anderen Löschzüge mit Meldeempfängern ausgestattet. Die FF Schermbeck verfügt nun über 45 solcher „Piepser“.